CAD-Integration im QS-/QM-Umfeld: Vom Zeichnungsbezug zur integrierten Prüfplanung in QS1

In der industriellen Qualitätssicherung bilden CAD-Zeichnungen die fachliche Referenz für Prüfungen, Erstmuster und Freigaben. Alle relevanten Anforderungen wie Maße, Toleranzen, Form- und Lagetoleranzen sind dort eindeutig definiert. Gleichzeitig zeigt sich im QS-Alltag, dass genau an dieser Schnittstelle erheblicher Aufwand entsteht. Prüfpläne werden aus Zeichnungen abgeleitet, Merkmale manuell übertragen und Änderungen nachgeführt. Mit zunehmender Bauteilkomplexität und kürzeren Entwicklungszyklen verschärft sich dieses Problem. Zeichnungsänderungen ziehen Anpassungen in Prüfplänen nach sich, der Bezug zwischen Zeichnung und Prüfmerkmal wird schwieriger nachvollziehbar. Medienbrüche zwischen CAD, CAQ-System und Rückmeldung sind keine Ausnahme, sondern gelebter Alltag. Die Folge sind Zeitverluste, unnötige Abstimmungen und ein erhöhtes Risiko für Übertragungsfehler.

Wie CAD heute typischerweise im QS- und QM-Umfeld genutzt wird

In vielen Unternehmen werden CAD-Daten im QS-Kontext primär als Dokumente genutzt. Zeichnungen liegen als PDF oder 2D-CAD-Dateien vor und dienen als visuelle Grundlage für Prüfungen. Die eigentliche Prüfplanung erfolgt davon getrennt, meist direkt im CAQ-System oder in vorgelagerten Dokumenten. Der Bezug zwischen Zeichnung und Prüfmerkmal wird über Positionsnummern, Textverweise oder individuelle Konventionen hergestellt. Dieser Ansatz ist funktional, stößt jedoch schnell an Grenzen. Änderungen an Zeichnungen müssen manuell nachvollzogen werden, Prüfpläne werden neu erstellt oder aufwendig angepasst. CAD bleibt damit eine externe Referenz, nicht aber ein integrierter Bestandteil des QS-Prozesses.

Was im QS-Alltag tatsächlich benötigt wird

Aus QS- und QM-Sicht geht es weniger um zusätzliche Visualisierung als um Verlässlichkeit und Durchgängigkeit. Prüfplaner benötigen eine direkte, systemseitige Verbindung zwischen Zeichnung und Prüfmerkmal. Prüfer brauchen Klarheit darüber, wo ein Merkmal zu prüfen ist – ohne Interpretationsspielraum. Zentral ist zudem das Änderungsmanagement. Zeichnungsrevisionen müssen strukturiert verarbeitet werden können, ohne dass Prüfpläne vollständig neu aufgebaut werden. Der Zusammenhang zwischen Zeichnungsversion und Prüfplanversion muss nachvollziehbar bleiben. Ebenso wichtig ist eine praxisnahe Rückmeldung, bei der Messwerte eindeutig einem geometrischen Bezug zugeordnet sind. Diese Anforderungen lassen sich nur eingeschränkt erfüllen, solange CAD-Daten außerhalb der QS-Systemlogik verbleiben.

Das CAD-Modul in QS1: Zeichnungsbasierte Prüfplanung als integrierter Prozess

Genau an dieser Stelle setzt das CAD-Modul der CAQ-Lösung QS1 an. Ziel ist es nicht, CAD-Zeichnungen zu erstellen oder zu verändern, sondern vorhandene Zeichnungen systematisch in die QS-Prozesse einzubinden. Über die CAD-Integration werden relevante Bemaßungspunkte direkt in der Zeichnung gestempelt und automatisiert als Prüfmerkmale in QS1 übernommen inkl. Soll-/Nennwerten, Toleranzen und Passungen. Die Prüfplanung erfolgt damit zeichnungsbasiert, aber vollständig innerhalb der QS1-Systemlogik. Zwischen Zeichnung, Prüfmerkmal und Prüfplan besteht ein eindeutiger, nachvollziehbarer Bezug. Ergänzend werden zu jedem Prüfmerkmal Grafikausschnitte gespeichert, die im Rückmeldeprozess als visuelle Orientierung dienen. Der Prüfer kann dadurch sowohl in QS1 durch die Zeichnung navigieren als auch zeichnungsbasiert rückmelden. In der Praxis zeigt sich insbesondere hier ein klarer Effizienzgewinn: Anwender berichten, dass sich Prüfpläne durch das Stempeln der Kundenzeichnungen deutlich schneller anlegen lassen als bei manueller Übertragung bei gleichzeitig höherer Prozesssicherheit und weniger Übertragungsfehlern. Der Prüfplan wird damit nicht nur schneller erstellt, sondern auch konsistenter und auditfest.

Ein weiterer zentraler Baustein in QS1 ist der Zeichnungsvergleich. Werden neue Zeichnungsversionen bereitgestellt, lassen sich Änderungen gezielt identifizieren. Prüfmerkmale können übernommen oder angepasst werden, ohne den Prüfplan neu aufzubauen – eine erhebliche Unterstützung bei der Versionierung und automatischen Archivierung. Gerade in der Erstmusterprüfung, in der Zeichnungsänderungen häufig auftreten, reduziert dies den manuellen Aufwand erheblich und erhöht die Prozesssicherheit.

Von 2D- zu 3D-Stempelung: Erweiterung der integrierten Prüfplanung

Mit der Einführung der 3D-Stempelung erweitert QS1 die bisher zeichnungsbasierte Prüfplanung um eine zusätzliche, modellbasierte Ebene. Während sich die etablierte 2D-Stempelung auf technische Zeichnungen bezieht, erlaubt die 3D-Funktion erstmals, Prüfmerkmale direkt am dreidimensionalen CAD-Modell zu definieren und zu referenzieren. Damit wird das CAD-Modell selbst zum zentralen Bezugspunkt der Prüfplanung.

Moderne Bauteile werden zunehmend modellbasiert entwickelt, relevante Informationen wie Maße, Toleranzen oder geometrische Bezüge sind dabei direkt im 3D-Modell enthalten. Die 3D-Stempelung greift diese Entwicklung auf und macht die im Modell vorhandenen Informationen für die Qualitätssicherung systematisch nutzbar. Prüfmerkmale können räumlich verortet und anschließend im QS1-Prüfplan sowie im integrierten CAD-Viewer dreidimensional dargestellt werden. Für Prüfplaner und Prüfer bedeutet dies eine deutlich verbesserte Orientierung, insbesondere bei komplexen Geometrien oder innenliegenden Merkmalen. Das Prüfmerkmal wird dort angezeigt, wo es am Bauteil relevant ist. Die Rückmeldung erfolgt weiterhin vollständig innerhalb von QS1 und folgt denselben Prinzipien wie bei der 2D-Stempelung. Der bestehende Ansatz wird damit nicht ersetzt, sondern konsequent erweitert. Somit fügt sich die 3D-Funktion nahtlos in die bestehende CAD-Integration von QS1 ein. Prüfplanung, Versionierung und Rückmeldung bleiben durchgängig systemgeführt. Die 3D-Stempelung ergänzt die bewährte 2D-Prüfplanung um eine zusätzliche Dimension der Klarheit und unterstützt QS-Teams dabei, steigende Bauteilkomplexität auch in der Qualitätssicherung beherrschbar zu halten.